Dilek Kolat

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Berlinerinnen und Berliner,

das Thema „Psychische Gesundheit“ geht uns alle an. Nunmehr bereits zum 11. Mal findet die „Berliner Woche der seelischen Gesundheit“ statt. In diesem Jahr wird dabei ein sehr aktuelles Thema in den Fokus gerückt: „Seelische Gesundheit in der digitalen Welt“. Nichts hat nach der industriellen Revolution die Gesellschaft so nachhaltig verändert, wie die digitale Revolution am Ende des 20. Jahrhunderts.

In der Arbeitswelt ist die Digitalisierung heute schon weit fortgeschritten. Die Digitalisierung bringt Chancen, aber auch Risiken mit sich. Körperlich schwere und gefährliche Arbeiten werden heutzutage mehr und mehr von Robotern übernommen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fürchten um ihre Arbeitsplätze, insbesondere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fürchten, ihr Fachwissen könnte weniger Wert sein, als die digitalen Fähigkeiten der jüngeren Generation. Ebenso verändert und verdichtet sich die Arbeit durch diesen Prozess stetig und der psychische Druck auf den Einzelnen steigt. Die Digitalisierung des Privatlebens durch Smartphones und Tablets tut ihr Übriges, um die Grenze zwischen Berufs- und Arbeitsleben verschwimmen zu lassen. Die steigende Anzahl der Krankentage aufgrund psychischer Erkrankung mahnt uns, hier besonders hinzuschauen und den Stress zu reduzieren.

Nicht nur im Arbeitsleben hat die Digitalisierung entscheidende Veränderungen gebracht, sondern auch im Privatleben erfuhr die Form der Kommunikation einen radikalen Umbruch. Man trifft Verabredungen über einen „Messenger“, statt zu telefonieren, im Park oder im Schwimmbad surft man im Internet, statt sich zu unterhalten. Positiv betrachtet ist es heute bei wachsender Globalisierung wesentlich einfacher geworden, mit weit verstreuten Familienmitgliedern oder Freunden Kontakt zu halten. Das Internet ist für viele Menschen aber auch ein einfacher Zugang zu Bildung, Allgemeinwissen und Kommunikation. Sogar Studienabschlüsse können inzwischen mit Hilfe eines berufsbegleitenden Online-Studiums absolviert werden. Allerdings gibt man auch in sozialen Medien Informationen preis, die sich nachteilig auswirken können. Darüber hinaus sind die in den Netzwerken geteilten bruchstückhaften Informationen nicht unbedingt geeignet, um stabile und verlässliche Beziehungen aufzubauen. Gerade Kinder und Jugendliche sind daher besonders in Gefahr, in eine soziale Ersatzwelt zu geraten und die direkten zwischenmenschlichen Kontakte zu verlieren, was sie dann auch für Cybermobbing empfänglich und angreifbar macht.

Im Gesundheitsbereich hat die moderne Informations- und Kommunikationstechnik längst Einzug gehalten. Ich spreche hier von Gesundheitsportalen, Telemedizin, Online –Apotheken, Activity-Trackern, mHealth-Apps und vielem mehr, das nicht mehr wegzudenken ist.

Wie Sie sehen, ist die Digitalisierung nicht per se gut oder schlecht. Es kommt darauf an, was wir daraus machen und wie wir in dieser veränderten Lebenswelt gut auf unser kostbarstes Gut, nämlich die Gesundheit, achten. Gerade hier spielt auch die psychische Gesundheit eine immer wichtigere Rolle. In diesem Sinn freue ich mich darauf, wenn diese Fragen in den Veranstaltungen der diesjährigen „Berliner Woche der seelischen Gesundheit" unter hoher Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger beleuchtet und diskutiert werden.

Als Schirmherrin bedanke ich mich herzlich bei den Initiatorinnen und Initiatoren und allen, die die „Berliner Woche der seelischen Gesundheit“ seit vielen Jahren unterstützen und die mit Ihrem Engagement dafür sorgen, dass das Thema „seelische Gesundheit“ mit vielen Veranstaltungen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wird.

Ihre
Dilek Kolat
Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung