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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Berlinerinnen und Berliner,

die Berliner Woche der seelischen Gesundheit findet in diesem Jahr zum 13. Mal statt.

Das diesjährige Schwerpunktthema lautet „GEMEINSAM STATT EINSAM - SEELISCH GESUND ZUSAMMEN LEBEN“

In Berlin lebt in rund der Hälfte aller Haushalte nur eine Person.

Die Ursachen sind so vielfältig wie das Leben. Manchmal ist die Situation gewollt oder vorübergehend, aber daraus kann auch langfristige Einsamkeit oder soziale Isolation folgen. Die Partnerin oder der Partner stirbt oder eine Partnerschaft wurde beendet, man wird arbeitslos oder erwerbsunfähig, das Geld wird knapper, man kann sich gemeinsame Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden nicht mehr leisten. Krankheit oder Behinderung können ebenso der Auslöser dafür sein, dass eine Teilnahme an der Gesellschaft nicht mehr stattfindet. Oder man rutscht ab in eine Suchterkrankung, was häufig die Ursache dafür ist, dass sich Familie oder Freunde abwenden. Möglicherweise ist man auch wegen eines guten Stellenangebotes aus einem Dorf oder einer Kleinstadt mit funktionierenden familiären oder nachbarschaftlichen Strukturen nach Berlin gezogen. Man verliert dadurch bisherige Freundinnen und Freunde und Bekannte aus dem Blick und findet nicht sofort neuen Anschluss.

Auch andere soziale Situationen können ausgrenzend wirken: Alleinerziehende haben häufig weder das Geld noch die Zeit sich im Rahmen von Hobbys mit Freunden zu treffen oder abends mal spontan ein Café aufzusuchen. Auch pflegende Angehörige kranker Menschen verlieren nicht selten den Anschluss an die Gemeinschaft. 

Forscherinnen und Forscher betonen seit Langem, dass diese Einsamkeit Auswirkungen auf die Psyche hat.

Die betroffenen Personen sind anfälliger für Depressionen, Suizidgedanken und Angststörungen. Der psychische Stress von Einsamkeit kann außerdem zu erhöhtem Blutdruck und in der Folge zu Herzerkrankungen führen.

Die Großstadt kann bereits durch die Architektur Einfluss auf unsere Psyche haben. Hinterhöfe, Fassaden Gärten, Parks. Haben wir noch die Möglichkeit unser Auge in die Ferne blicken zu lassen? Sehen wir auch ein Stückchen Natur oder nur Beton?

Wir brauchen Räume, in denen wir uns begegnen können, wo neue Beziehungen im eigenen Lebensumfeld entstehen können, wenn aus unterschiedlichsten Gründen keine Familie oder auch kein Freundeskreis vorhanden ist.

Nun sind die Räume nur die Schaffung von Möglichkeiten. Die Menschen müssen es auch wollen und bereit sein, aufeinander zuzugehen.

Wenn wir wieder einmal in der Zeitung lesen, dass ein Mensch mehrere Wochen tot in seiner Wohnung lag, bis er gefunden wurde, sind wir entsetzt, aber wissen wir wirklich, wann wir unsere Nachbarn oder die ältere Dame, die im Haus gegenüber oft aus dem Fenster schaut, zuletzt gesehen haben? Und selbst wenn uns auffiele, dass wir diese Dame schon längere Zeit nicht gesehen haben, würden wir hinübergehen, ihr Klingelschild suchen und bei ihr direkt nachfragen?

Die Ursachen von Einsamkeit lassen sich im Vergleich zu Lösungsansätzen noch relativ leicht ermitteln. Im Rahmen der Berliner Woche der Seelischen Gesundheit wollen wir versuchen, Möglichkeiten zu finden, wie jeder seinen individuellen Beitrag zum Abbau der Einsamkeit beisteuern kann.

Es wäre schön, wenn sich die Menschen dieser Stadt wieder verstärkt umeinander kümmern würden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, sowie auch allen Veranstaltern, eine erfolgreiche Woche der seelischen Gesundheit mit vielen interessanten Begegnungen, Anregungen und lebhaften Diskussionen.

Ihre

Dilek Kalayci

Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung“