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Photo by Samantha Borges on Unsplash

Die Auftaktveranstaltung zur bundesweiten & 14. Berliner Woche der seelischen Gesundheit fand aufgrund der aktuellen Corona-Lage erstmals in digitaler Form statt. Unter dem Motto „Mit Kraft durch die Krise. Gesund bleiben – auch psychisch“ diskutierten Betroffene und Expert/innen über die Zusammenhänge von Corona und Psyche und gaben praktische Tipps zum Umgang mit der Krise. Mehr als 1500 virtuelle Besucher verfolgten die Talkrunde über den Live-Stream auf Facebook und den Youtube-Kanal des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und stellten im Live-Chat Fragen an die Experten.

Eröffnet wurde der Abend vom Berliner Landesbeauftragten für Psychiatrie, Dr. Thomas Götz, in Vertretung der Schirmherrin und Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kalayci. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Björn Böhning, wies in einer Videobotschaft auf die Bedeutung der Aktionswoche in der Corona-Krise hin und stellt kurz die aktuell gestartete Offensive für psychische Gesundheit der drei Ministerien für Gesundheit, Arbeit und Familie vor.

Prof. Andreas Meyer-Lindenberg, Leiter des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim, lieferte mit seinem Impulsvortrag zu den psychischen Folgen der Krise den Einstieg in die Diskussion. Erste Studien zeigten, dass es eine Zunahme von stressbedingten Belastungsstörungen und Suchtverhalten in der Bevölkerung durch die Krise gäbe. Je länger die Pandemie dauert, umso mehr Probleme hätten die Menschen, mit den sozialen Einschränkungen im Alltag klar zu kommen. Dies gelte ganz besonders für bereits psychisch erkrankte Menschen, die auch ein höheres Risiko haben, an Covid 19 zu erkranken. Daher sei es wichtig, Strategien zur wirksamen Stressbewältigung in der Ausnahmesituation zu vermitteln.

Die anschließende Expertenrunde wurde von Dr. Iris Hauth, ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee und Mitinitiatorin der Aktionswoche geleitet. Sie stellte zu Beginn drei Best Practice Projekte vor, die ganz praktische Hilfen für verschiedene Zielgruppen entwickelt haben: die Online-Angebote der Jugendnotmail, das erste Mental Health Café in München sowie die Hilfen für Arbeitgeber der Mental Health Agentur Shit Show. Die Gründerin des Mental Health Cafés und Bloggerin Dominique de Marné war auch Gast auf dem Podium. Sie betonte, dass Betroffene, die schon viele Krisenerfahrungen gemacht hätten, häufig sogar besser mit der aktuellen Situation umgehen und anderen helfen könnten: „Es gibt aber kein Patentrezept für die Krise, jeder muss seinen eigenen Weg finden, um mit schwierigen Gefühlen in dieser Zeit achtsam umzugehen“.

Als Expertin zum Thema E-Mental-Health berichtete Dr. Maria Böttche von der FU Berlin über ihre Erfahrungen mit Online-Therapien und neuen digitalen Angeboten. Durch die Krise musste in den letzten Monaten der persönliche Kontakt zum Therapeuten verstärkt durch Online-Programme ersetzt werden, was für die Beziehungsarbeit aber keine negativen Auswirkungen habe. Selbst ältere Patienten kämen mittlerweile gut mit digitalen Hilfen klar, die in Zukunft eine immer größere Rolle spielen würden.

Auch der Leiter des Berliner Krisendienstes Gerd Pauli sieht sich durch die Corona-Pandemie mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Rund um die Uhr stehen die 250 Mitarbeiter des Krisendienstes den BerlinerInnen in akuten Notfällen zur Seite. Diese niedrigschwelligen Hilfen müssten gerade in der Corona-Krise in finanzieller und technischer Hinsicht weiter ausgebaut werden, um auf die steigende Nachfrage reagieren zu können.

Zum Abschluss der Auftaktveranstaltung präsentierte die Berliner Songwriterin und Mental Health Aktivistin Marie Gunst per Video einen Song aus ihrem Konzeptalbum „Depression unplugged“.

Die Aufzeichnung der Auftaktveranstaltung ist weiterhin auf dem Youtube Kanal des Aktionsbündnisses zu sehen.

Einen Rückblick zur Aktionswoche mit Pressestimmen finden Sie hier.