Jens Spahn
Quelle: BMG/Maximilian König

Ja, psychisch kranke Menschen sind mit körperlich kranken Menschen sozialrechtlich gleichgestellt. Und ja, es gilt ein generelles Benachteiligungs- und Diskriminierungsverbot für behinderte Menschen. Dennoch: Auch wenn durch vielfältige Aufklärungsmaßnahmen in den letzten Jahren für eine Enttabuisierung bereits viel erreicht wurde, haben es psychisch kranke Menschen auch in Deutschland noch in vielen gesellschaftlichen Bereichen schwer – gerade Menschen mit schwereren und chronischen psychischen Erkrankungen. Damit für die Betroffenen Selbstbestimmung und Teilhabe möglich werden, aber auch damit Prävention gelingt und die verschiedenen Hilfsangebote auch in Anspruch genommen werden, müssen wir konsequent und beharrlich für ein vorurteilsfreies gesellschaftliches Klima im Umgang mit psychischen Erkrankungen arbeiten.

Darum bemühen sich viele Akteure – auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Es fördert Maßnahmen, Projekte und Initiativen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, darunter auch das nationale Aktionsbündnis Seelische Gesundheit. Mit seinen über 100 Mitgliederorganisationen setzt sich das Bündnis für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Das Bündnis organisiert darüber hinaus in jedem Jahr die „Woche der Seelischen Gesundheit“. Um die Bedeutung des Themas und der Arbeit des Aktionsbündnisses zu würdigen, habe ich sehr gern die Schirmherrschaft über die bundesweiten Wochen der seelischen Gesundheit 2019 übernommen.

Zwei Felder, auf denen hier viele zusammenarbeiten, will ich herausgreifen. Zum einen die Suizidprävention. Suizidalität geht vielfach mit behandelbaren psychischen Erkrankungen einher. Deshalb wird die Suizidprävention durch alle Maßnahmen zur Bekämpfung psychischer Erkrankungen und durch die Förderung eines vorurteilsfreien Umgangs der Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen gefördert. Das BMG hat aktuell einen Förderschwerpunkt zur Suizidprävention und es fördert ein Projekt des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland – ein Projekt, das in diesem Herbst in Empfehlungen für die Weiterentwicklung einer nationalen Struktur der Suizidprävention mündet.

Und wir arbeiten zum anderen aktuell in einer Arbeitsgruppe mit weiteren Ministerien und mit gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren an einer Verbesserung der Situation von Kindern psychisch kranker Eltern. Kinder und Jugendliche aus Familien mit psychisch erkrankten oder suchtkranken Eltern benötigen unsere besondere Aufmerksamkeit, Fürsorge und Unterstützung. Denn sie haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Es geht darum, dass auch diese Kinder gesund und unter bedarfsgerechter Förderung aufwachsen und ihre persönlichen Potentiale entfalten können. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe wird dem Deutschen Bundestag voraussichtlich bis Ende 2019 vorliegen.

Es geht hier wie so oft vor allem auch um eine noch bessere, eine noch intensivere Kooperation der Akteure vor Ort. Mögen die Wochen der Seelischen Gesundheit 2019 diese Kooperation spürbar voranbringen!